Bündner Kunstmuseum
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Öffnungszeiten
Montag geschlossen
Di–So 10–17 Uhr
Donnerstag 10–20 Uhr
Bildnis einer Unbekannten (Spanische Tänzerin),1912
Öl auf Leinwand
11034.000.2012
Bündner Kunstmuseum Chur, Depositum der Willy Reber Stiftung
Ferdinand Hodlers Bildnis einer Unbekannten (Spanischen Tänzerin), 1912, ist seit 2012 als Depositum der Willy Reber Stiftung in der Sammlung des Bündner Kunstmuseums. Zwischen 1912 und 1914 malt Hodler (1853–1918) zahlreiche Bildnisse, die unter den Titeln wie La Conchita, Spanierin, Spanische Tänzerin oder Französin bekannt, deren Identitäten aber unbekannt sind.[1] Ausgewiesen ist jedoch, dass sich der Maler um diese Zeit intensiv mit dem Tanz und seinen Gesetzmässigkeiten auseinandersetzt, und sich auch für die Bewegungstheorie von Emile Jaques-Dalcroze (1865–1950), Schweizer Musikpädagoge und Begründer der Rhythmischen Gymnastik, interessiert. Dieses Interesse am Tanz und seinem künstlerischen Ausdruck bezeugen mitunter auch Studien, Skizzen und vor allem die Werkgruppe mit den Tänzerinnen. Die dargestellte spanische Tänzerin in Dreiviertelansicht trägt ein für den traditionellen spanischen Tanz typisches rotes, schulterfreies Kleid. Die Corsage ähnliche Stickerei um ihre Taille und der grobe Strick mit roten Perlen um ihre Oberarme tragen noch zusätzlich zu ihrer tänzerischen Identität bei. Ihre beiden Hände auf der Hüfte abstützend schaut sie den Betrachter auffordernd und selbstbewusst an. Auffallend ist die starke Betonung der Vertikalen: Diese wird einerseits durch die Serpentine verstärkt, die sich durch ihren Körper in die Höhe zieht, andererseits durch den tiefliegenden Horizont der angedeuteten Landschaft im Bildhintergrund gesteigert. Die Landschaft dient hier mehr als Kulisse oder Bühne denn als Bedeutungsträger der Dargestellten. Ihre sinnliche Präsenz wird allein durch die im Flamenco typische, spannungsvolle Betonung der Körperteile wie Oberkörper, Arme, Hände, Finger und selbst der Blickrichtung markiert. Im Gegensatz zu Edgar Degas (1834–1917) oder Henri de Toulouse-Lautrec (1864–1901) richtet Ferdinand Hodler seine Aufmerksamkeit nicht auf das atmosphärische Umfeld der Tänzerinnen, nicht auf die Wiedergabe von Tanzlokalen oder Proberäumen, sondern seinen direkten Blick auf die menschliche Präsenz und, wenn man die ganze Werkgruppe der Tänzerinnen überblickt, auf den Moment der Bewegung.
Nicole Seeberger
[1] Vgl. Ferdinand Hodler. Catalogue raisonné der Gemälde. Die Bildnisse (Bd. 2), hrsg. v. Oskar Bätschmann, Monika Brunner, Bernadette Walter, Zürich 2012, Kat. Nrn. 904-912.