Zurück zur Startseite

Bündner Kunstmuseum
Postplatz
CH–7000 Chur
Tel. ++41 81 257 28 68
Fax ++41 81 257 21 72
E-mail: info(at)bkm.gr.ch

Öffnungszeiten
Montag geschlossen
Di–So 10–17 Uhr

Archiv Ausstellungen 2008

Plakat Jahresausstellung 2008, Gestaltung Stefan Rüesch (*1963)
Plakat Jahresausstellung 2008
Gestaltung Stefan Rüesch

Jahresausstellung der Bündner KünstlerInnen

Bündner Kunstmuseum Chur, 21. Dezember 2008 bis 25. Januar 2009
Sie wird jedes Jahr mit Spannung erwartet: Die Werkschau der Bündner Künstlerinnen und Künstler. Eine kompetente Jury und eine sorgsame Inszenierung sorgen stets für eine hohe Beachtung der Ausstellung weit über die Region hinaus. Die informative und dichte Jahresausstellung umfasst die unterschiedlichsten Gattungen von Malerei, Skulptur und Zeichnung über die Fotografie bis zur Videoarbeit oder zur Installation und bringt in aufschlussreichen Dialogen und Konfrontationen jüngere und ältere, renommierte und neu zu entdeckende Künstlerinnen und Künstler zusammen - in jedem Fall gibt es viel zu sehen, zu entdecken und zu diskutieren. Die beliebte Ausstellung ist eine wichtige Plattform für die Vermittlung und Förderung aktuellen Kunstschaffens aus Graubünden. Sie zeigt zwar keinen repräsentativen Überblick, aber eine umso spannendere und überraschendere Momentaufnahme aktuellen künstlerischen Schaffens. Aus einer Vielzahl von Bewerbungen hat eine fünfköpfige Jury jene Beiträge von Künstlern und Künstlerinnen herausgefiltert, die den qualitativen Anforderungen Genüge leisten.  

Dieses Jahr nehmen folgende KünstlerInnen teil: 

Remo Alig (*1971), Mathias Balzer (*1932), Guido Baselgia (*1953), Mirko Baselgia (*1982), Gregori Bezzola (*1970), Flurin Bischoff (*1955), Michel Borgmann (*1973), Bianca Brunner (*1974), Kurt Caviezel (*1964), Bignia Corradini (*1951), Walter Derungs (*1970), Menga Dolf (*1963), Christoph Draeger (*1965), Milena Ehrensperger (*1978) / Jérémie Mercier (*1979), Ladina Gaudenz (*1962), Gabriela Gerber (*1970) / Lukas Bardill (*1968), Conrad J. Godly (*1962) , Annatina Graf (*1965), Chris Hunter (*1983), Monica Ursina Jäger (*1974), Patricia Jegher (*1966), Ladina Just (*1989), Zilla Leutenegger (*1968), Catrin Lüthi K (*1953), Gaspare Melcher (*1945), Gaudenz Metzger (*1980), Ursula Palla (*1961), Michel Pfister (*1966), Stefan Rüesch (*1963), Corinne Rusch (*1973), Gaudenz Signorell (*1950), Gioni Signorell (*1949), Venice Spescha (*1956), Sandra Tschuor (*1979), Georg Tannò (*1946), Hannes Vogel (*1938), Pascale Wiedemann (*1966) / Daniel Mettler (*1965), Lydia Wilhelm (*1975), Dominik Zehnder (*1973), Thomas Zindel (*1956)

 

Monika von Aarburg (*1972), Distraction VI, 2007, Tipp-Ex auf Regenmantelstoff, 210 x 180 cm
Monika von Aarburg
Distraction VI, 2007

Monika von Aarburg – MANOR-Kunstpreis 

+ FLEX Künstlerkollektiv

Bündner Kunstmuseum Chur, 10. Oktober bis 23. November 2008
Die Churer Künstlerin Monika von Aarburg (*1972, lebt in Zürich) wird dieses Jahr mit dem Manor–Kunstpreis für ihr Schaffen ausgezeichnet. Sie hat an der renommierten Abteilung „Médias-mixtes“ der Genfer Kunsthochschule studiert und bewegt sich mit ihrer Kunst mühelos zwischen den verschiedenen Medien. In der Churer Ausstellung wird sie etwa Tippex-Zeichnungen einer projizierten Animation gegenüberstellen, deren Bildsprachen eine überraschende Übereinstimmung aufweisen. Mit ihrer raumgreifenden, spektakulären Wandarbeit nimmt von Aarburg die verpixelte, fragmentierte Sichtweise unseres digitalen Zeitalters auf andere Weise wieder auf. Ein historisches Bündner Kreuzstichmuster wird in unzähligen reflektierenden Folienpunkten direkt auf die Museumswand übertragen. Im gleichen Raum platziert die Künstlerin eine Audioinstallation mit Stehlampen, aus denen nicht nur Licht, sondern die persönlichen Geschichten und Erinnerungsbilder älterer Menschen strömen. Beide Arbeiten beschäftigen sich mit dem Verschwinden von Traditionen und der Funktion des Bildes in unserer Erinnerung und wurden spezifisch für die Situation des Churer Museums konzipiert.

Im Untergeschoss ihrer Ausstellung hat Monika von Aarburg das Künstlerkollektiv FLEX für eine Präsentation eingeladen. Von Aarburg ist Teil dieser Gruppe, deren Mitglieder – bestehend aus ihren ehemaligen Studienkollegen Carola Bürgi, Saskia Edens, Christian Gräser, Françoise Kohler und Niklaus Strobel – nicht durch stilistische, sondern durch inhaltliche Übereinstimmungen verbunden sind.

Katharina Ammann

Vernissage und Verleihung des MANOR-Kunstpreises
Donnerstag, 9. Oktober 2008, 18 Uhr

Publikation
Monika von Aarburg. Künstlerbuch und Katalog, mit einem Text von Katharina Ammann und einem Vorwort von Beat Stutzer, gestaltet von Violeta Tschäppeler

Führungen
Öffentliche Führungen mit Katharina Ammann: 16. Okt. / 6. Nov., 12.30 bis 13.30 Uhr
Öffentliche Führung mit Kuratorin und Künstlerin: 30. Okt., 12.30 bis 13.30 Uhr

Langer Samstag 2008
Götterspeise – Intervention von FLEX Künstlerkollektiv, 15. November, 20 Uhr

 

Hans Danuser (*1953), Caplutta Sogn Benedetg Sumvitg I, 1988, Fotografie, 50 x 40 cm
Hans Danuser
Caplutta Sogn Benedetg Sumvitg I, 1988

Am Nabel der Welt. Kunst aus Graubünden 

Bündner Kunstmuseum Chur, 21. Juni bis 21. September 2008
Nach fast zwanzig Jahren wird die Bündner Kunstsammlung in einer völlig neuen Präsentation gezeigt. Auch unter Einschluss der unverzichtbaren «highlights» wie den Werken von Angelika Kauffmann, Ferdinand Hodler, Giovanni Segantini, Giovanni, Augusto und Alberto Giacometti, Ernst Ludwig Kirchner u.a.m. schärfen unerwartete, aufschlussreiche und spannende Dialoge und Konfrontationen den Blick auf die ausgestellten Werke neu. Die Neupräsentation der Sammlung ist derart bedeutend, dass diese zu einer veritablen Ausstellung erweitert wird. Unter dem Titel Am Nabel der Welt. Kunst aus Graubünden erfährt die eigene Sammlung eine dezidierte Vertiefung und Fokussierung. Ausgewählte, wichtige Arbeiten aus Privat- und Museumsbesitz von Ernst Ludwig Kirchner, Augusto Giacometti, Alberto Giacometti, Max Ernst, Günther Förg, Gerhard Richter und Dieter Hall verdeutlichen die Thematik entscheidend, indem aufschlussreiche Vergleiche und exemplarische Gegenüberstellungen das Zwiegespräch fördern. 

Der spannende Dialog zwischen «Welt» und «Heimat», Globalem und Regionalem, der stete Diskurs zwischen Verharren und Sich–Öffnen ist ein wesentliches Charakteristikum der Kunst aus Graubünden: Manche bedeutende Bündner Künstler, zum Beispiel Alberto Giacometti oder Not Vital, sind in die Welt hinausgegangen, oft aber auch wieder reich an Erfahrungen an den Ort ihrer Herkunft zurückgekehrt. Andere, wie Giovanni Segantini, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Dix, Niklaus Stoecklin, Günther Förg oder Gerhard Richter, wurden von Graubünden geradezu magisch angezogen und haben hier ihre Spuren hinterlassen. Immer wieder haben diese Künstler dabei mehr oder weniger explizit auf die Bündner Bergwelt Bezug genommen, also den Ort der Entstehung ihrer Werke reflektiert und damit nicht zuletzt die existentielle Frage nach dem Eigenen und Fremden aufgeworfen.

Beat Stutzer

Kurzführer zur Sammlung
Zur Neupräsentation der Sammlung erscheint ein Kurzführer, der die wichtigsten Künstler und ihre Werke in Bild und Wort kurz und prägnant vorstellt: 
Schriften zur Bündner Kunstsammlung 2, hrsg. von der Stiftung Bündner Kunstsammlung, erhältlich in deutscher, romanischer, italienischer und englischer Sprache.

Öffentliche Führungen
An den Donnerstagen, 3., 17., 24. und 31. Juli, 21. August, 4. und 18. September, jeweils 12.30 Uhr.

Sonderveranstaltungen
Kunst zum Mittag – Bildbetrachtungen für den leichten Hunger
An den Donnerstagen 14. und 28. August, 11. und 25. September
jeweils 12.30 Uhr bis 13 Uhr

Ursula Palla (*1961), Flowers I, 2001/2, Interaktive Videoinstallation, Im Besitz der Künstlerin, © Ursula Palla
Ursula Palla
Flowers I, 2001/2

Ursula Palla - Strange Paradise.

Videoarbeiten und Installationen 2001 - 2008

Bündner Kunstmuseum Chur, 29. März bis 25. Mai 2008
Die Einzelausstellung der 1961 in Chur geborenen Ursula Palla zeigt Video­arbeiten und Installationen aus den Jahren 2001 bis 2008. Darin setzt sich die Künstlerin mit Landschafts­vorstel­lungen und pflanzli­chen Motiven im weitesten Sinn auseinander und gestaltet auf den ersten Blick harmlose Idyllen: menschenleere Bergland­schaften, üppige Blumenstillleben, Schmet­ter­linge an Blütenzweigen sowie einsame Inseln in der Südsee. Es sind ästhetisch anspre­chende Videofilme in installativen Anordnungen, die den Betrachter dazu einladen, sich gedanklich und physisch niederzu­lassen, von den noch unbewohnten Idyl­len Besitz zu ergreifen und sich an ihrer Friedfertigkeit seelisch zu laben.

Mit den paradiesischen Situationen antwortet Ursula Palla auf das zeitgenös­si­sche Bedürfnis nach dem eigenen kleinen Idyll, das umso dringlicher ersehnt wird, je unbarm­herziger der Alltag ein ebensolches ver­unmöglicht. Jedoch  geben sie sich nach dem ersten Augenschein als gebro­che­ne zu erkennen. Die Künstlerin lässt die Idyllen in tatsächliche oder angedeutete Katastrophen münden, stört sie nachhaltig und konfron­tiert sie brutal mit der Realität, um sie damit als vorüberge­hende Erscheinung zu ent­larven. Manchmal macht sie diese auch vom Verhalten der Betrachter abhängig. Viele Video­instal­lationen funktionieren «interaktiv», lösen bei Bewegung im Raum alternative Filmsequen­zen aus und beziehen die Idylle auch auf diese Weise wieder auf die Wirk­lich­keit zurück.

Mit ihren hintersinnigen, humorvollen und kritischen Werken verknüpft Ursula Palla die zeitgenössische Sehnsucht nach dem Idyllischen mit der Hinterfragung der filmischen Illusionsmacht und untersucht deren Wirkung als Wunschprojektionen. Dabei findet auch ihre frühe künstlerische Prägung durch Besuche im Bündner Kunstmuseum Chur mit seinen Landschaftsbildern von Giovanni Segantini, Giovanni, Augusto und Alberto Giacometti ihren Niederschlag. Ursula Pallas «videastische» Annäherung an das Malerische und Idyllische mit seinen Brüchen und Irritationen entwirft ein Strange Paradise aus erinnerten, erhofften und brüchig gewordenen Paradiesvorstellungen.  

Kathleen Bühler

Kunstgespräch
Ursula Palla im Gespräch mit Ursula Perucchi-Petri (ehemalige Vizedirektorin und Leiterin der Graphischen Sammlung und Videokunstsammlung des Kunsthaus Zürich), am 10. April 2008, ab 19 Uhr.

Katalog
Ursula Palla – Strange Paradise, hrsg. von Kathleen Bühler mit einem Vorwort von Beat Stutzer und Beiträgen von Angelika Affentranger-Kirchrath, Patrick Huber und Kathleen Bühler, Bündner Kunstmuseum Chur 2008, CHF 28.- (CHF 20.-  für BKV-Mitglieder), zuzüglich Versandspesen (deutsche und englische Ausgabe).

Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938), Rückkehr der Tiere, 1919, Öl auf Leinwand, 120.5 x 168 cm, Sammlung E. W. K., Bern/Davos
Ernst Ludwig Kirchner
Rückkehr der Tiere, 1919

Expressionismus aus den Bergen.

Ernst Ludwig Kirchner, Philipp Bauknecht, Jan Wiegers und die Gruppe «Rot-Blau»

Bündner Kunstmuseum Chur, 16. Februar bis 25. Mai 2008
Die Ausstellung veranschaulicht zum ersten Mal den intensiven künstlerischen und menschlichen Austausch zwischen Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) und einer Reihe von jüngeren Kollegen während seinen frühen Davoser Jahren. Neben dem bereits vor Kirchner ins Bündnerland gekommenen Deutschen Philipp Bauknecht (1884–1938) und dem Holländer Jan Wiegers (1893–1959) gehören dazu die drei Gründungsmitglieder der Basler Gruppe «Rot-Blau» Albert Müller (1897–1926), Hermann Scherer (1893–1927) und Paul Camenisch (1893–1970). Sie alle hielten sich längere Zeit in Davos auf, teilweise als Gäste Kirchners, und waren ihm zeitweise freundschaftlich verbunden. Dabei entspannte sich in den meisten Fällen ein intensiver künstlerischer Dialog, der letztlich nicht nur für die jüngeren Künstler, sondern auch für Kirchner selbst fruchtbar war. So liess sich der gelernte Bildhauer Scherer 1924 von Kirchner in die Malerei einführen und begann dann, zweifellos durch das Vorbild des älteren Kollegen angeregt, jene Serie von Holzskulpturen, die ihm bis heute einen Platz in der Kunstgeschichte sichern. Umgekehrt fühlte sich Kirchner durch Scherers Konkurrenz angespornt, selber wieder vermehrt bildhauerisch tätig zu werden. Die jüngeren Künstler begnügten sich dabei nie damit, den Stil Kirchners zu imitieren, sondern setzten die zum Teil offenkundigen Anleihen bei der Kunst ihres Mentors in durchaus eigenständiger Weise um.

Durch die thematische Gliederung der Werke werden die Analogien, aber auch die Unterschiede im Schaffen der sechs Künstler aufgezeigt, die nicht nur dieselben Themen, sondern oft auch dieselben Motive darstellten: Neben Davoser Berglandschaften und Akten auch Szenen aus dem Bergleben; dazu porträtierten sie sich gegenseitig in vielen Selbst-, Einzel- und Gruppenporträts, die bis heute von ihrer persönlichen Verbundenheit zeugen. Einen weiteren Themenbereich und zugleich Kontrapunkt zur alpinen Szenerie stellt die gebirgige Landschaft des Mendrisiotto dar, in der sich Scherer, Müller und Camenisch gerne aufhielten.

Der zeitliche Schwerpunkt der Ausstellung, die neben Gemälden auch zahlreiche Skulpturen sowie Zeichnungen, Aquarelle und druckgrafische Arbeiten umfasst, liegt in den Jahren vor 1927, als die Beziehungen zwischen den Künstlern durch den frühen Tod von Müller und Scherer und die endgültige Rückkehr Wiegers nach Holland weitgehend abbrachen.

Beat Stutzer

Publikation
Expressionismus aus den Bergen. Ernst Ludwig Kirchner, Philipp Bauknecht, Jan Wiegers und die Gruppe Rot-Blau, hrsg. von Beat Stutzer, Han Steenbruggen, Samuel Vitali und Matthias Frehner, mit Beiträgen von Kathleen Bühler, Matthias Frehner, Wolfgang Henze, Roland Scotti, Peter Suter, Beat Stutzer, Samuel Vitali sowie dem kommentierten Text von Georg Schmidt

 

«Ein Gang durch die Winterthurer Kirchnerausstellung» (1924),
Verlag Scheidegger & Spiess AG, Zürich 2007, CHF 68.- (CHF 48.-  für BKV-Mitglieder), zuzüglich Versandspesen.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Bern und dem Groninger Museum.